So klingt Ihr Podcast lebendig: Stimme und Sprechtechnik vor dem Mikrofon
Die Stimme ist eines unserer wichtigsten Werkzeuge beim Podcasten. Sie transportiert unsere Inhalte – aber eben nicht nur die. Über unsere Stimme vermitteln wir auch Stimmung, Haltung und einen Teil unserer Persönlichkeit.
Trotzdem beschäftigen wir uns beim Podcaststart häufig zunächst mit ganz anderen Dingen: Welches Mikrofon brauche ich? Welche Aufnahmesoftware soll ich verwenden? Wie bearbeite ich meine Aufnahme?
Dabei lohnt es sich genauso, die eigene Stimme und das eigene Sprechen in den Blick zu nehmen.
In meinem Podcast übers Podcasten spreche ich darüber mit der Stimm- und Sprechtrainerin Silke Volkmann. Und wir beginnen ganz praktisch: mit einem kleinen Aufwärmtraining für die Stimme.
Vor dem Sprechen kommt der Körper
Eine gute Podcaststimme beginnt nicht erst im Hals. Der ganze Körper ist am Sprechen beteiligt.
Deshalb empfiehlt Silke, sich vor einer Aufnahme zunächst zu dehnen und zu strecken, den Oberkörper zu drehen und bewusst im eigenen Körper anzukommen. Auch Kiefer und Gesichtsmuskeln dürfen gelockert werden. Kräftiges Gähnen beispielsweise öffnet den Mund- und Rachenraum.
Hinzu kommen Übungen für Lippen und Zunge. Ein lockeres „Pferdeschnauben“ bringt die Lippen in Bewegung, Zungenbrecher und Lautfolgen trainieren die Artikulation.
Das Schöne daran: Diese Übungen müssen nicht lange dauern. Schon ein paar Minuten vor der Aufnahme können helfen, nicht völlig „kalt“ ans Mikrofon zu gehen.
Die eigene Stimme in Schwingung bringen
Ein weiterer Bereich ist die Resonanz. Beim Summen lässt sich beispielsweise spüren, wie die Stimme nicht nur im Hals entsteht, sondern Schwingungen im Brustraum und – je nach Tonhöhe – auch in anderen Bereichen des Körpers erzeugt.
Silke stellt im Podcast dazu unter anderem das sogenannte Vokaldreieck vor. Dabei gehen verschiedene Vokale fließend ineinander über. Auch das ist eine Möglichkeit, die Stimme aufzuwärmen und mit ihrem Klang zu spielen.
Und genau dieses Spielerische finde ich beim Sprechen wichtig. Wir müssen vor dem Mikrofon nicht möglichst perfekt klingen. Viel interessanter ist eine Stimme, die lebendig ist und zum Menschen und zum Podcast passt.
Ein Skript darf nicht nach Skript klingen
Viele Podcasterinnen und Podcaster arbeiten mit vorbereiteten Texten. Das ist grundsätzlich hilfreich – kann aber dazu führen, dass eine Aufnahme tatsächlich vorgelesen klingt.
Silke empfiehlt deshalb, sich zunächst zu fragen: Was möchte ich mit diesem Satz eigentlich sagen? Was ist seine Essenz?
In einem vorbereiteten Skript können beispielsweise die Wörter markiert werden, auf die es besonders ankommt. Beim Sprechen lassen sie sich anschließend leicht hervorheben: durch eine etwas höhere Stimmlage, mehr Kraft oder ein langsameres Sprechen.
Schon kleine Veränderungen der Betonung können die Bedeutung eines Satzes verändern.
Das Ziel ist dabei nicht, möglichst „professionell“ zu klingen. Im Gegenteil: Das Geübte soll irgendwann wieder selbstverständlich wirken. Oder anders gesagt: Wir üben, damit es sich am Ende nicht nach Übung anhört.
Pausen gehören zum Sprechen
Wer viel zu sagen hat, neigt leicht dazu, schnell zu sprechen. Irgendwann wird die Luft knapp, wir holen hörbar Luft und sprechen sofort weiter.
Dabei sind Pausen kein Fehler. Sie sind ein Gestaltungsmittel.
Sie geben uns Zeit zum Atmen und unseren Zuhörerinnen und Zuhörern Zeit, das Gehörte aufzunehmen. Gerade nach einem Gedanken oder einem Abschnitt kann eine kurze Pause Orientierung schaffen.
Und eine Pause kann noch mehr: Sie kann Aufmerksamkeit erzeugen. Wenn vor einer wichtigen Aussage kurz Ruhe entsteht oder die Stimme etwas zurückgenommen wird, hören wir automatisch genauer hin.
Sprechen Sie zu einem Menschen – nicht zu einem Mikrofon
Ein weiterer Tipp von Silke ist besonders einfach: Stellen Sie sich beim Sprechen einen konkreten Menschen vor.
Denn wir sprechen anders, wenn wir jemandem etwas erzählen, als wenn wir einen Text in ein Mikrofon lesen.
Damit schließt sich auch der Kreis zur Zielgruppe eines Podcasts. Wenn ich weiß, für wen ich meinen Podcast mache, kann ich mir diesen Menschen beim Sprechen vorstellen. Was interessiert ihn? Was weiß er bereits? Was möchte ich ihm erklären?
Das kann unmittelbar verändern, wie ein Text klingt.
Auch Gesten kann man hören
Beim Podcasten sieht uns niemand – zumindest bei einem reinen Audio-Podcast. Trotzdem dürfen wir beim Sprechen die Hände benutzen.
Silke erklärt im Gespräch, wie eng innere Bilder, Betonung und Körpersprache miteinander verbunden sind. Wenn wir uns das, worüber wir sprechen, tatsächlich vorstellen und unseren Körper beim Sprechen mitnehmen, kommt Bewegung in die Stimme.
Gesten sind deshalb nicht nur etwas für Bühne und Video. Sie können auch beim Sprechen vor dem Mikrofon helfen.
Wie möchten Sie in Ihrem Podcast klingen?
Vielleicht ist das die spannendste Frage überhaupt.
Denn es gibt nicht die eine richtige Podcaststimme.
Ein Podcast über ein sehr präzises Fachthema darf anders klingen als ein Podcast über Entspannung oder Resilienz. Und jemand, der von Natur aus sehr deutlich artikuliert, braucht möglicherweise ein anderes Training als jemand, dessen Stimme noch etwas mehr Resonanz vertragen könnte.
Es geht also nicht darum, sich eine vermeintlich perfekte Sprechweise anzutrainieren. Es geht darum herauszufinden, was zur eigenen Person, zum Thema und zum Podcast passt.
Oder, wie Silke Volkmann es am Ende unseres Gesprächs formuliert:
„Wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst.“
In der aktuellen Episode des Podcasts übers Podcasten können Sie die Stimmübungen direkt mitmachen und erfahren noch mehr darüber, wie Sie mit Stimme und Sprechtechnik Ihren Podcast gestalten können.
Und hier finden Sie den Online-Kurs Sprechkompetenz für Podcaster:innen.
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